Das Formularium · was in der Flasche ist, nüchtern gelesenEN DE
Das Formularium · was in der Flasche ist, nüchtern gelesenBlatt 02 / 09
[ Formularium Nr. 02 ]

Hagebuttenkernöl fürs Gesicht, für Männer

Rosa Moschata Seed Oil · Kernöl · 15 % der Rezeptur

Hagebuttenkernöl ist ein Pflanzenöl aus den Kernen der Hagebutte, der Frucht, die eine Wildrose trägt, wenn die Blütenblätter abgefallen sind. Auf unserem Etikett steht es als Rosa Moschata Seed Oil: 15 % der Rezeptur, an zweiter Stelle nach Jojobaöl.

Es riecht nicht nach Rosen, es enthält praktisch kein Vitamin C, und Männer verwenden es wie jedes Gesichtsöl: drei bis vier Tropfen, sanft auf die noch feuchte Haut gedrückt.

Von , Gründer, Berlin · Zuletzt geprüft

Gestochene botanische Tafel der Hagebutte, Frucht und Schnitt
Rosa · hauseigene Tafel XIV.

Was ist Hagebuttenkernöl?

Die Hagebutte ist die Frucht der Rose. Das Öl wird aus den Kernen in ihrem Inneren gepresst oder extrahiert, nicht aus der Blüte destilliert: ein gewöhnliches fettes Pflanzenöl wie Sonnenblumen- oder Olivenöl, und mit dem Rosenöl der Parfümeure hat es nichts zu tun. Im Handel heißt es mal Hagebuttenkernöl, mal Hagebuttenöl, mal Wildrosenöl, und ein vierter Name führt in die Irre; der Ratgeber Hagebuttenkernöl, Wildrosenöl oder Rosenöl? ordnet die Namen.

Auf dem Etikett steht Rosa Moschata Seed Oil, auf Deutsch: Hagebuttenkernöl der Moschusrose. Rosa moschata wird schon so lange kultiviert, dass ihre Herkunft umstritten ist; je nach Quelle ist sie nur aus Kultur bekannt oder stammt aus dem Gebiet vom südlichen Iran bis Afghanistan. Der wichtigere Teil des Namens ist Seed Oil: Das Öl kommt aus dem Samen, nicht aus dem Fruchtfleisch und nicht aus der Blüte.

In dieser Rezeptur ist es das Gegengewicht. Jojobaöl, 82,5 % der Flasche, bringt den wachsartigen Körper; Hagebuttenkernöl macht das Ganze dünnflüssiger und leichter auf der Haut. Fünfzehn Prozent genügen, um zu ändern, wie sich die Flasche anfühlt.

Riecht Hagebuttenkernöl nach Rosen?

Nein. Der Duft einer Rose sitzt in den Blütenblättern, die Kerne schweigen. Echtes Rosenöl wird mit Wasserdampf aus den Blütenblättern der Damaszener-Rose und der Zentifolie destilliert; aus rund vier Tonnen Blüten gewinnt man etwa einen Liter, und im Großhandel kostet der Liter mehrere Tausend Euro. Das presst niemand aus einem Kern.

Unraffiniertes Hagebuttenkernöl riecht durchaus nach etwas. Die Fachliteratur beschreibt den Geruch als süß-sauer, nussig, metallisch, fettig, fruchtig, floral und aldehydartig. Eher Speisekammer als Rosengarten. Unseres ist raffiniert, und die Raffination nimmt das meiste davon weg. Für sich allein riecht es nach sehr wenig.

Der Duft der Flasche kommt von woanders: aus einer Mischung von 2 % Sandelholzöl, Lavendelöl, Weihrauchöl, Atlaszedernöl und Teebaumöl. Riecht ein Hagebuttenprodukt doch nach Rosen, lohnt der Blick auf die Rückseite: Steht dort Rosa Damascena Flower Oil oder Parfum, hat jemand die Rose nachträglich hineingegeben.

Enthält Hagebuttenöl Vitamin C?

Praktisch keines. Die frische Frucht ist berühmt dafür: Wilde Hagebutten enthalten rund 426 mg Vitamin C je 100 g, gut 0,4 % ihres Gewichts, daher der Ruf von Hagebuttentee und Hagebuttenmark. Aber Vitamin C ist wasserlöslich, und es sitzt in der fleischigen Fruchtschale. Das Öl wird aus den Kernen gepresst, und es ist Fett. Das Vitamin bleibt beim Tee.

Was das Kernöl mitbringt, ist fettlöslich: Tocopherole, die Familie des Vitamin E, und Carotinoide, die unraffiniertem Hagebuttenkernöl seine hellgelbe bis orangerote Farbe geben. Ein Produkt, das als Hagebuttenöl mit Vitamin C verkauft wird, hat das Vitamin eigens zugesetzt. Es steht dann in einer eigenen Zeile der Inhaltsstoffliste, als Ascorbic Acid oder als eine ihrer Verbindungen.

Linol- und Linolensäure: Warum ist Hagebuttenkernöl weniger haltbar als Jojobaöl?

Hagebuttenkernöl besteht vor allem aus Linolsäure, Alpha-Linolensäure und Ölsäure, gebunden als Triglyceride wie in jedem Kernöl. Die ersten beiden sind mehrfach ungesättigt: Ihre Ketten tragen mehrere Doppelbindungen, und genau dort greift der Sauerstoff der Luft an. Es ist dieselbe Chemie, die Leinöl im Firnis trocknen lässt. Auf der Haut wirkt das Öl dadurch dünn und leicht. In der Flasche bedeutet das: Das Öl oxidiert und wird mit Zeit, Licht und Wärme ranzig.

Jojobaöl ist anders gebaut. Es ist ein flüssiges Wachs, fast ganz aus Wachsestern statt aus Triglyceriden, und für seine Haltbarkeit bekannt: Wärme und Zeit, die die meisten Kernöle verderben, lassen es weitgehend in Ruhe.

Für reines Hagebuttenkernöl nennt die Literatur etwa drei Monate Haltbarkeit, kühl und dunkel gelagert; die Hersteller stabilisieren es meist mit zugesetztem Tocopherol. Wer eine reine Flasche kauft, hält sie verschlossen, kühl und lichtgeschützt und riecht ab und zu daran: Ein verdorbenes Öl riecht scharf, nach alten Nüssen oder nach Ölfarbe.

Unseres steckt in einer Basis, die hält: 82,5 % Jojobaöl, eine Vitamin-E-Mischung von 0,5 %, kein Wasser, Braunglas. Auf dem Etikett steht: nach dem Öffnen neun Monate verwendbar (PAO 9M).

Warum nur 15 % Hagebuttenkernöl in unserer Flasche?

Weil es hier um das Hautgefühl geht, nicht um eine Schlagzeile. Mit 15 % ist Hagebuttenkernöl die zweitgrößte Zeile auf dem Etikett: ein tragender Anteil, keine Garnitur. In dieser Menge macht es das Jojobaöl leichter; mehr davon brächte vor allem mehr von dem Teil, der weniger lange hält.

Die Zahl sagt ehrlich, wie viel, und nichts darüber, wie gut. Sie verrät nicht, wo die Hagebutten gewachsen sind oder wie die Kerne gepresst wurden. Herkunftsland und Pressverfahren unseres Öls liegen uns noch nicht vor; sie kommen auf diese Seite, sobald die Analysenzertifikate vorliegen.

Ein Inhaltsstoff mit 0,1 % kann trotzdem vorn auf der Schachtel stehen. Hier liest sich das Etikett in derselben Reihenfolge wie die Rezeptur, von oben nach unten.

Wer zwischen den beiden Ölen wählt oder sich fragt, warum wir nicht einfach eines genommen haben: Jojobaöl oder Hagebuttenkernöl stellt sie nebeneinander.

Hagebuttenöl für Männer: Wie wendet man es an?

Wie jedes Gesichtsöl, ohne eigenen Schritt in der Routine. Gesicht waschen oder abspülen, nicht abtrocknen und ein paar Tropfen mit den Handflächen auf die noch feuchte Haut drücken, statt sie zu verreiben. Ein Öl bringt selbst kein Wasser mit; auf feuchter Haut sorgt es nur dafür, dass das vorhandene Wasser langsamer entweicht.

Mit unserer Flasche sind das drei bis vier Tropfen, morgens und abends, und weniger, wenn das Gesicht ein paar Minuten später noch glänzt. Nach der Rasur: abspülen und ein mögliches Brennen erst abklingen lassen. Mit Bart: die Tropfen mit den Fingerspitzen durch den Bart bis auf die Haut einarbeiten; für den Bart selbst versprechen wir nichts. Alles Weitere steht in Gesichtsöl anwenden: Tropfen, feuchte Haut, nach der Rasur.

Morgens oder abends? Beides geht; das Öl kann keine Uhr lesen. Auf dem Etikett steht zweimal täglich, und einmal am Tag ist besser als eine Routine, die Sie im März aufgeben. Einen Lichtschutzfaktor hat die Flasche nicht: erst das Öl, dann den Sonnenschutz darüber.

Reines Hagebuttenkernöl wird genauso aufgetragen, in genauso kleinen Mengen. Alles Neue zuerst testen: ein Tropfen auf der Innenseite des Unterarms, ein paar Tage lang.

Was Hagebuttenkernöl nicht kann

Riecht nicht nach Rosen.

Bringt kein Vitamin C aus der Frucht mit.

Ist keine Behandlung.

Verspricht nichts bei Hautproblemen.

Ein kosmetisches Öl ist keine Behandlung; bei Hautproblemen fragen Sie eine Ärztin, einen Arzt oder in der Apotheke. Hagebuttenkernöl verdient sich seinen Platz hier durch Anteil und Hautgefühl. Die Blüte hat sich gar nicht erst beworben.

Warum sich diese Liste so leicht drucken lässt: Eine Verneinung ist keine Werbeaussage. Positive Aussagen sind geregelt, müssen belegt sein und dürfen nie therapeutisch sein.

Häufige Fragen

Enthält Hagebuttenöl Vitamin C?
Praktisch keins. Vitamin C ist wasserlöslich, bleibt in der Frucht und gelangt nicht ins Öl, das aus den Kernen gepresst wird.
Riecht es nach Rosen?
Nein. Raffiniertes Hagebuttenkernöl riecht kaum. Der Duft kommt aus fünf ätherischen Ölen, zusammen 2 %: Sandelholzöl, Lavendelöl, Weihrauchöl, Atlaszedernöl und Teebaumöl.
Jojobaöl oder Hagebuttenkernöl? Oder beides?
Beides zusammen ist genau das, was in der Flasche ist: 82,5 % Jojobaöl als leichte, haltbare Basis und 15 % Hagebuttenkernöl, das reicher an Linol- und Linolensäure ist und sich allein weniger gut hält. Jojobaöl oder Hagebuttenkernöl?
Hagebuttenkernöl, Wildrosenöl, Rosenöl: Was ist der Unterschied?
Hagebuttenkernöl und Wildrosenöl sind zwei Namen für dasselbe Öl, aus den Kernen der Hagebutte gepresst; Rosenöl ist ein ätherisches Öl, aus Blütenblättern destilliert. Unseres ist Rosa Moschata Seed Oil, 15 % der Flasche. Hagebuttenkernöl, Wildrosenöl, Rosenöl: die Namen einzeln

Alle Fragen →

Quellen

  1. Hagebuttenöl: Namen, Pressen und Raffinieren, Zusammensetzung, Geruch, Haltbarkeit. Wikipedia (de).
  2. Rose seed oil: Linol-, Linolen- und Ölsäure; Tocopherole und Carotinoide. Wikipedia (en).
  3. Rose hip: Vitamin-C-Gehalt der frischen Frucht. Wikipedia (en).
  4. Hundsrose: Vitamin C in der fleischigen Fruchtschale. Wikipedia (de).
  5. Vitamin C: ein wasserlösliches Vitamin. Wikipedia (de).
  6. Rosa moschata: Herkunft und Kultur der Moschusrose. Wikipedia (de).
  7. Rosa moschata: the musk rose and its seed oil. Wikipedia (en).
  8. Rosenöl: Wasserdampfdestillation aus Blütenblättern, Ausbeute, Preis. Wikipedia (de).
  9. Linolsäure: Oxidationsempfindlichkeit, trocknende Öle. Wikipedia (de).
  10. Jojoba: das flüssige Wachs aus den Samen, keine Triglyceride, wird nicht ranzig. Wikipedia (de).